Hans Otto Verein e.V.

Der Verein

Der Hans Otto Verein e.V. wurde am 1. März 2016 gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Gisela Axnick, die Nichte und zugleich nächste lebende Verwandte Hans Ottos.
Zweck des Vereins ist es, das Andenken und Vermächtnis des Schauspielers, Gewerkschafters und Kommunisten Hans Otto, der 1933 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, zu bewahren. Der Verein initiiert, fördert oder begleitet vor allem künstlerische und gewerkschaftliche Vorhaben, die im Sinne von Hans Otto auf die soziale Souveränität der Menschen gerichtet sind. Anliegen des Vereins ist insbesondere die Würdigung der künstlerischen Leistungen, des gewerkschaftlichen Wirkens und des antifaschistischen Engagements Hans Ottos. Dazu möchte der Verein die wissenschaftliche Forschung über Hans Ottos Leben und Wirken anregen, eigene Veröffentlichungen, Ausstellungen und Vorträge erarbeiten, dabei die Vermittlung von Kultur- und Gewerkschaftsgeschichte fördern, sowie mit Behörden und Institutionen – insbesondere den Namensträgern - zusammen arbeiten.
Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke und ist dementsprechend von der Körperschaftssteuer befreit.

Nähere Angaben, auch zur Mitgliedschaft, können in der Vereinssatzung und Beitragsordnung nachgelesen werden. Beim Antrag auf Vereinsmitgliedschaft ist dabei ausdrücklich die Erklärung anzufügen, dass der Speicherung persönlicher Daten (Name, Adresse) zugestimmt wird.

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Der Hans Otto Verein ist eigenständig und mit ver.di organisatorisch oder durch gegenseitige Mitgliedschaft nicht verflochten. Dennoch ist der Verein dem gewerkschaftlichen Wirken Hans Ottos und somit der Gewerkschaftsgeschichte verpflichtet. Daraus ergeben sich verschiedene Möglichkeiten, mit ver.di Berlin-Brandenburg zu kooperieren.
Die Gewerkschaft kann für ihre heutigen Zielvorstellungen durch die Aneignung der eigenen historischen Erfahrung nur gewinnen, um ihre Aktivitäten gut durchdacht zu realisieren. Es dürfte eine Bereicherung sein, wenn die Mitglieder der Gewerkschaft sich immer wieder erneut mit der Tradition auseinandersetzen und dazu intensiv kommunizieren. Tradition ist von Personen, von Persönlichkeiten geschaffen und geprägt worden. Die Besinnung auf die Menschen, die produktive Spuren hinterlassen haben, ist nötig. Dafür gibt es viele Gründe, vor allem den, dass vom Einzelnen in der Gewerkschaft organisierten Bürger dabei entdeckt werden kann, was er heute selber tun sollte.
Hans Otto war engagierter Gewerkschaftler. Er trat für die Verbesserung der Gagen der Schauspieler ein, besonders bei Stück- und Zeitverträgen, der Regelungen bei den Arbeits- und Probenzeiten und für die Überstunden. Als das Schillertheater von der Schließung bedroht war, gehörte er zu den Kollegen der verschiedenen Berliner Bühnen, die sich aus Solidarität mit den betroffenen Künstlern und Bühnenhandwerkern engagierten. In den Agitpropgruppen, in denen in diesen Jahren Arbeiter eine Verständigung über ihre Lage suchten und Verbündete für ihre Interessen gewinnen wollten, wirkte er, ausgehend von seinen Erfahrungen als Berufskünstler, helfend mit. 1931 wählten ihn seine Berliner Kollegen in der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger zum Obmann des Ortsverbandes der Staatstheater. 1932 wurde er auf dem deutschen Kongress der Genossenschaft in Düsseldorf mit großer Stimmenmehrheit Vizepräsident.
Als 1933 von den neuen Machthabern die Künstler an den Theatern Berlins entlassen wurden, die sich linken Parteien oder deren Ideen angeschlossen hatten, oder die Juden waren, traf es am Staatstheater Hans Otto als einen der ersten. Er bekam zwar umgehend Engagements im Ausland angeboten, von Max Reinhardt in Wien und von den deutschsprachigen Bühnen in Zürich und Prag. Aber Hans Otto war nicht bereit zu emigrieren, weil er nicht weichen, sondern sich den Nationalsozialisten weiterhin entgegenstellen wollte: er wollte Widerstand leisten.
Paul Bildt versuchte ihn umzustimmen, mit Galgenhumor entgegnete Otto „unsere Jungens sterben hier“. Er betätigte sich in einer Gruppe, die agitierte und Flugblätter verteilte. Die Gruppe wurde bald verraten. Am 13. November 1933 verhaftete die SA Hans Otto, folterte ihn in verschiedenen Berliner Kasernen, um ihn zu brechen und ihm Namen seiner Weggefährten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus abzupressen. Hans Otto blieb standhaft, auch im Hauptquartier der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 5. Die SA-Leute quälten ihn nochmals in der Voßstraße. Schließlich warfen sie ihn dort aus dem Fenster, täuschten einen Suizid vor. Mit einem doppelten Schädelbruch wurde er in das Staatskrankenhaus in Berlin (heute Krankenhaus der Bundeswehr) eingeliefert. Dort starb Hans Otto am 24. November. Der Totenschein ist bis heute nicht aufzufinden.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels verbot in allen Medien und Theatern etwas über Hans Ottos Tod mitzuteilen, und er verbot zugleich allen dort Beschäftigten, an der Beerdigung teilzunehmen. Seine Ehefrau Marie Paulun, vier enge Freunde und, tief verschleiert, die Frau eines Beleuchters folgten auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf dennoch dem Sarg. Es wurde später erzählt, Gustaf Gründgens, mit dem er oft auf der Bühne stand, habe die Beisetzung für den anders Denkenden, für den Kollegen, den er schätzte, bezahlt. Erzählt wird auch, dass auf dem Waldfriedhof zeitnah Hans Otto und ein höherer SA-Führer beerdigt worden seien und braun Uniformierte, Musikformation und Ehrenkompanie, hätten, als der Sarg Hans Ottos vorbeigetragen wurde, strammgestanden und salutiert - nicht wissend, welcher Leiche sie da die Ehre erwiesen.

Hans Otto war eines der ersten prominenten Opfer des braunen Terrors. Im Ausland wurde sein Schicksal schon 1933 bekannt. Bertolt Brecht, fragte aus dem Exil in einem offenen Brief an Heinrich George nach dem Schicksal seines Kollegen Hans Otto. Berichte über den Tod des Künstlers standen in den Zeitungen verschiedener Länder. Die deutschen Exilanten, die im Züricher Schauspielhaus eine Zuflucht gefunden hatten, und dort als Schauspieler und Regisseure weiterarbeiten konnten, würdigten Hans Otto in öffentlich vorgestellten Programmen. Am Neuen Deutschen Theater in Prag gründeten Emigranten 1935 einen „Hans-Otto-Klub“, sie spendeten 1%  ihres Gehaltes und sammelten Geld für Opfer des Naziterrors. Klaus Mann griff in einem Kapitel seines Romans „Mephisto“ das Verhalten Hans Ottos in den politischen Konflikten der Zeit auf.
Nachdem die Alliierten Truppen 1945 Deutschland und Europa von der  nationalsozialistischen Herrschaft befreit hatten, fand der Widerstand Hans Ottos und sein früher Opfertod über die Jahrzehnte bis heute hin in seiner Heimat besondere Aufmerksamkeit.
Von den deutschen Schauspielern, die in einer Gewerkschaft in der Weimarer Republik aktiv waren, hat Hans Otto wie kein anderer Spuren seines engagierten Kampfes hinterlassen, keiner fand in der Öffentlichkeit soviel Aufmerksamkeit.
In beiden deutschen Staaten gab es über die Jahrzehnte zu Hans Otto immer wieder Würdigungen und öffentliche Veranstaltungen, und das geschah auch weiterhin im vereinten Deutschland. In seiner Geburtsstadt Dresden und am Ort, in dem er die längste Zeit gelebt und erfolgreich gearbeitet hat, in Berlin, sind Straßen nach ihm benannt worden. Ein Stolperstein liegt vor dem Haus, in dem er zuletzt gewohnt hatte, in Moabit, Am Hansaufer 5 und vor seinem Geburtshaus in Dresden. In der Hans-Otto-Straße im Prenzlauer Berg ist es Brauch, dass an seinem Geburts- und Sterbetag die Straßenschilder geschmückt werden. Auf das Schicksal Hans Ottos wurde in einer Ausstellung in der Berliner Gedenkstätte Topografie des Terrors aufmerksam gemacht. Das Theater in Potsdam trägt seit den 50er Jahren bis heute den Namen des Schauspielers. In Leipzig setzten - nachdem die Ausbildung für Schauspieler aus der bis 1992 dort zuvor existierenden Theaterhochschule „Hans Otto“ in die Musikhochschule integriert worden war - Dozenten und Studenten durch, den Namen „Hans Otto“ weiterhin führen zu dürfen. Jedes Jahr wurde in der DDR, in Form eines Porträtreliefs, an Bühnen der Hans-Otto-Preis für besondere künstlerische Leistungen verliehen. Der Kulturverein „Kleine Freiheit“ in Dresden vergab von 2000 bis 2006 für Theaterarbeit mit aktuellem progressivem Engagement noch einmal einen Preis mit dem Namen des Schauspielers. Proteste verhinderten 2014, dass die beabsichtigte Einebnung des Grabs auf dem Stahnsdorfer Waldfriedhof vollzogen werden konnte. Der Ort für das ehrende Gedenken Hans Ottos blieb erhalten. Der Verein hat 2017 beim Regierenden Bürgermeister von Berlin beantragt, dieses Grab zur Ehrengrabstelle des Landes Berlin zu erklären, was am 14. August 2018 geschehen ist.
In Publikationen ist die Persönlichkeit Hans Ottos, sind seine Leistungen, seine Haltung und sein Tod wiederholt beschrieben und gewürdigt worden.
Vom ungewöhnlichen Interesse am Schicksal Hans Ottos zeugt allein schon, dass  Texte über die Zeitspanne von mehr als einem halben Jahrhundert hin erschienen sind, in verschiedenen Orten, weiträumig im deutschen Sprachraum - in Berlin, Frankfurt am Main, Basel. Solchen Nachruhm bekamen nur wenige deutsche Schauspieler und Gewerkschaftler. Die in den Publikationen enthaltenen Erinnerungen von Zeitgenossen und Weggefährten vermitteln ein detailreiches und anschauliches Bild Hans Ottos, seines beindruckenden Wirkens und Verhaltens. Als Margrit Lenk 1961 in Leipzig ihre Diplomarbeit schrieb, suchte sie das Gespräch mit den Zeitzeugen, die damals noch lebten. Die Schauspieler, die mit ihm in den 20er Jahren in Berlin gespielt hatten, wie unterschiedlich sie politisch dachten und wie verschieden ihr späterer beruflicher Weg auch verlief, sie sprachen alle von Hans Otto als einer hochbegabten und aufrichtigen Persönlichkeit. Darin sind Elisabeth Bergner, Walter Franck, Wolfgang Heinz, Gustaf Gründgens, Lothar Müthel und weniger bekannte Theaterleute sich einig.

Eine erneute Beschäftigung mit einer großen Persönlichkeit fordert dazu heraus, ihr Wirken und ihre Leistung für die Gegenwart und die Zukunft produktiv zu machen. Hans Otto ist für die heutigen Gewerkschaftler als ein Vorbild zu erschließen und herauszustellen, insbesondere wegen seiner konkreten Arbeit für die Beschäftigten in den Betrieben, bei deren Kämpfen um Löhne, Arbeitszeiten und gegen Entlassungen. Es genügt nicht, ihn nur als Opfer in Gedenkstätten zu würdigen.
Der Verein übernimmt die Aufgabe, durch gestaltete Programme, durch Vorträge und Gespräche in öffentlichen Veranstaltungen an die Persönlichkeit und das Engagement des Schauspielers und Gewerkschaftlers Hans Otto in anschaulicher Weise zu erinnern, und dabei anregend für heutiges Verhalten zu wirken. Hans Ottos Vorleben, seine Haltung sollten beschrieben werden, um den Einzelnen für eigenes soziales und offenherziges Verhalten und Handeln zu  motivieren. Dabei ist besonders an junge Gewerkschaftler als Adressaten zu denken und Kontinuität und Aktivität an verschiedenen Orten anzustreben.
Die letzten biographischen Publikationen zu Hans Otto kamen vor Jahrzehnten heraus. In ihnen verstellt die Einordnung in das politische Denken vergangener Jahre gelegentlich den Blick auf die Persönlichkeit des Schauspielers und des Gewerkschaftlers. Was heute für die gewerkschaftliche Arbeit in Betrieben interessant ist, sollte verdeutlicht werden. Das gilt sowohl für die Auswahl von Erinnerungen an Hans Otto, als auch für die Beschreibung und Interpretation einzelner Stationen seines  Lebens und Wirkens. Manches aus früheren Publikationen bedarf erneuter Recherche. Auch ist zu erforschen, ob Erzähltes bloß Legende ist. Voraussetzung für diese Aktivitäten ist eine Durchsicht der Archive, die zu Hans Otto Material gesammelt haben (die Akademie der Künste verfügt über den reichsten Bestand). In den letzten Jahrzehnten wurde in einigen Archiven Material erstmals öffentlich zugänglich, weil Sperrungen aufgehoben oder eingrenzende Fristen abgelaufen sind. Es sollten diese neuen Möglichkeiten genutzt werden, um zum Schicksal Hans Ottos Antworten auf offene Fragen zu suchen und Ergänzungen zu biografischen Stationen zu erschließen.