Hans Otto Verein e.V.

Über Hans Otto

Paul Bildt
Schauspieler in Berlin
Er lebte den Idealen nach, die er spielte, weder schöngeistig verblasen oder schwärmerisch unkontrollierbar, noch doktrinär oder parteimäßig verrannt.

Leopold Lindtberg
Regisseur und Theaterleiter, Zürich 1963
Ich sah ihn zum ersten Mal auf der Bühne, als das Ensemble von Barnowsky in Wien ein längeres Gastspiel mit „Wie es euch gefällt“ gab. Otto spielte neben Elisabeth Bergner und Louis Rainer den Orlando und fiel auf durch seine frische und ungekünstelte Art sich zu bewegen und zu sprechen, durch seine überaus angenehmen Mittel der Sprache und der Erscheinung. - Als er ans Berliner Staatstheater kam, war er ein Schauspieler von Rang, einer der besten im Fach des jugendlichen Helden, die das deutsche Theater damals aufweisen konnte. Was im Umgang mit am deutlichsten auffiel, war das Fehlen jeder Eitelkeit, war Klarheit und Sachlichkeit und zugleich eine selbstverständliche und überzeugende männliche Würde.

Elisabeth Bergner
Schauspielerin, über Hans Otto nach einem Gastspiel in Hamburg als Viola in Shakespeares „Was ihr wollt“
Der beste Orlando, den ich jemals hatte. Er hieß Hans Otto.

Erich Otto
Funktionär in der „Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger“ vor 1933 und nach 1945
Er war für die damals leitenden Kollegen in der Genossenschaft bestimmt kein bequemer Mitarbeiter. Aber bei allen Gegensätzlichkeiten wussten wir immer, dass ... seine Forderungen immer von dem Wunsch diktiert waren, seinen Kollegen zu helfen. Niemals duldete Hans Otto, dass seinen Berufsgenossen ein Unrecht zugefügt wurde.

Bertolt Brecht
Aus dem offenen Brief an den Schauspieler Heinrich George, Dezember 1933
Sie wissen, es handelt sich um keinen geringen Mann. Er gehörte zu jenen, die überlegt haben, was zur Ausübung wirklicher Schauspielkunst nötig ist. Es waren bei ihm keine allgemeinen Überlegungen, sondern solche, die sein Beruf, eben das Theaterspielen, ihn anzustellen zwang und die auf die Erkenntnis hinausliefen, dass nicht weniger als Umänderung aller gesellschaftlichen Verhältnisse von Grund auf nötig ist, damit große Schauspielkunst entstehen kann, Theater, das eines Kulturvolkes würdig ist. Mindere Leute könnten einwenden, dass gar nicht soviel nötig ist, damit ein Schauspieler Theater spielen kann. Sie könnten sagen, er brauche dazu nur Talent. Aber Ihr Kollege Otto hatte eine andere Auffassung vom Theaterspielen: Talent schien ihm nicht zu genügen. Ihm schien Talent zu leicht käuflich, ein unsicherer Posten in der Rechnung, vermietbar an jeden Beliebigen, Zahlungsfähigen und zur Verfügung jeder beliebigen Sache auch der schmutzigsten. ... Das Schicksal in den Dramen wird wieder eine verborgene Macht sein, denn es muss den Menschen hinfort wieder verborgen werden, das des Menschen Schicksal der Mensch ist. Die Musik wird die Aufgabe haben, die sie in den Tagen des Rattenfängers von Hameln hatte: ein richtiger ‚Zauber’. Ihr werdet viel zaubern müssen, meine Lieben! Euer Kollege Hans Otto wusste, gegen was er kämpfte. Wo ist er? Wir bitten Sie, sich um einen ganz außerordentlichen, ganz und gar unentbehrlichen Mann zu kümmern, der für den Beruf, den Sie ausüben, von besonderer Wichtigkeit ist, einen Mann seltener Art, unkäuflich. Wo ist er?

Berta Drews schreibt in „Mein Mann Heinrich George“: „Sehr bald nach der Machtübernahme war von einem ‚offenen Brief’ Bertolt Brechts die Rede, angeblich an Heinrich George gerichtet, der Rechenschaft verlangte über den tragischen Tod Hans Ottos, eines Mitglieds des Staatstheaters. Ich habe diesen Brief nie gelesen und auch George nicht davon sprechen hören. Er war in diesen Jahren ja ohne allerhöchste Protektion.“
Brecht hatte den Brief auf Bitten des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller verfasst. Er war als offener Brief zur Publikation vorgesehen, die jedoch auch 1935 nicht zustande kam, nachdem Brecht eine Kopie nach Moskau gesandt hatte. Dennoch kursierten Abschriften und es wurde auch in Nazideutschland über diesen Brief gesprochen, wie Berta Drews selbst berichtet. In einem der ersten Nazi-Propagandaspielfilme, „Hitlerjunge Quex“, der im September 1933 in die Kinos gekommen war, spielen Berta Drews und Heinrich George die Eltern des Hitlerjungen Heini Völker. Sicher zieht das noch nicht „allerhöchste Protektion“ nach sich, doch es spricht für das Arrangiertsein und darauf bezieht sich Brechts scharfe Reaktion.

Deutsche Emigranten haben reagiert, als Heinrich George am 5. März 1938 im Neuen Deutschen Theater in Prag mit dem Berliner Schiller Theater in der Titelrolle des „Richters von Zalamea“ gastierte. Die deutschen Emigranten kauften Karten aus Protest, ohne sie in Anspruch zu nehmen. Es blieben viele Plätze im Theatersaal leer.

Alfred Kerr
Theaterkritiker in Berlin, Emigrant in England
Dieser Hans Otto wird länger unter uns leben als mancher Nurkönner. Er lebt als jemand, der neben der Leistung, die Ehre der Schauspielerschaft in einer schwankenden Welt verkörpert und gerettet hat. Er war, wenn das Wort des Schweizer Dichters umgekehrt werden darf, „ein Mensch in seinem Widerspruch“, aber hier in dem abweichenden, besseren, aktiveren Sinn: nämlich der Mensch, der seinen Widerspruch gewagt hat. Der nicht zusammenknickte. Der so starb, wie er gelebt hat. Und dem wir, über das Grab hinaus danken.

Erich Kästner
Schriftsteller, München 1969
Als man den Schauspieler Hans Otto, meinen Klassenkameraden, ... schon halbtot geschlagen hatte, sagte er, bevor ihn die Mörder aus dem Fenster in den Hof warfen, blutüberströmten Gesichts: „Das ist meine schönste Rolle“. Er war, nicht nur auf der Bühne am Gendarmenmarkt, der jugendliche Held.

Walter Franck
Schauspieler, 1961 in Wien, vor 1933 mit Hans Otto in Berlin engagiert
In den Stücken, die ich mit ihm spielte, ... konnte man generell von ihm sagen, dass er ein Schauspieler von großer Intensität und meist geistig sehr scharfer Diktion war. Das trat besonders bei seinem Egmont zutage. Sein Kosinski war sehr realistisch und blutvoll, sein Kaiser in Faust II mehr stilisiert, aber sehr wirkungsvoll. ... Ich schätze Hans Otto als Schauspieler sehr. Und seine charakterliche Integrität wussten alle Kollegen zu schätzen; er war deshalb in unserem Jessner-Ensemble auch sehr beliebt.

Willi Hotop
Bühnentechniker
Wie stehen wir vom technischen Personal zu Hans Otto? ... Für Hans Otto stand auch der letzte ein, an ihm hing jeder. Er war jederzeit für einen jeden von uns zu sprechen, ob es eine Kehrfrau oder ein Bühnenarbeiter oder ein Beleuchter, ein Garderobier oder ein Schauspieler oder eine Souffleuse war. Trotz schwerer Proben, oft noch spät am Abend, für jeden war er mit Rat und Tat da ... Geschlossen wollten wir an seiner Beisetzung teilnehmen. Man hat uns das verboten. Ja, es wurde sogar verboten, im Theater oder außerhalb seinen Namen zu nennen ... das hat aber nichts genutzt ... Oft haben sich Kollegen zusammengefunden, um ihm Blumen für sein Grab zu bringen.

Armin-Gerd Kuckhoff
Theaterwissenschaftler, Dramaturg in Berlin, Weimar und Leipzig
Ob er im „Lokalverband Staatstheater“ der Bühnengenossenschaft für die Rechte der Jugendlichen, für ihr Recht auf Erholung, Freizeit, Arbeitsschutz eintrat, stets sah er sie nicht nur als „Jugendliche“, denen man caritativ helfen musste, sondern er wusste, dass ihre Forderungen an die Gesellschaft zu Recht bestanden, und deshalb trat er für sie ein.

Heinrich Liebers
Schauspieler. Mitglied im Deutschen Arbeitertheaterbund, Hamburg 1961
Hans Otto, ein Künstler, ein Kämpfer, ein Mensch. 1923 lernte ich ihn kennen. Wir waren damals gemeinsam an den Hamburger Kammerspielen bei Erich Ziegel engagiert. Als Schauspieler war er außerordentlich geschätzt, er lebte seine Rollen. Als Kollege war er ein Kamerad, zuverlässig und hilfsbereit. Diese Kameradschaft galt bei ihm nicht nur den Künstlerkollegen sondern auch dem gesamten technischen Personal. ...
... der besondere Charakter der damaligen Agitproptruppen hat ihn lebhaft interessiert. ... Sehr oft hat er an unseren Veranstaltungen und Versammlungen teilgenommen und uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. ...

Arno Marlé
Schauspieler und Regisseur, in London 1961
Die wesentlichen Züge seiner Schauspielkunst waren: echtes und tiefes Empfinden, ein hoher Grad der Konzentration, eine außerordentliche Selbstdisziplin und Disziplin im Rahmen des Ensembles und mit seinem Regisseur. ...
Ich erinnere mich ganz besonders an seinen Hannibal. Ich inszenierte das Stück damals im Hinblick auf Mussolini und wollte ihn nicht als Löwen, sondern als Tiger, menschlich transformiert, dargestellt sehen. Trotz der Grazie seines Wesens gab er ein vollkommenes Bild eines Tigers, mit der abscheulichen Selbstsicherheit eines Diktators. ...
Es war nicht zu verhindern, mit Otto befreundet zu sein, nicht im Privatleben, aber von Individuum zu Individuum. Er war innerlich so wirklich rein und er glaubte an seinen Glauben und an die Kunst. ...
Jedenfalls ich kann nur eines sagen, so sehr mich Welten politisch von ihm trennten und trennen, meine Erinnerung an ihn ist hell und strahlend und, am Leben gelassen, wäre er einer der großen Schauspieler Deutschlands geworden im Safte des Älterwerdens. 

Lothar Müthel
Schauspieler und Regisseur, Frankfurt 1961
Hans Otto war ein hochbegabter Schauspieler. Schon die Natur hatte ihn sehr bevorzugt. Er war - gleichsam - ein schöner Mann. Aber - er hatte auch die Begabung Charaktere zu zeichnen und nicht nur allein junge, edle Helden darzustellen, wie man auf den ersten Blick hätte vermuten können. Er blieb immer einfach und schlicht und seine Darstellungsbegabung hielt sich daher in den Grenzen des Realistischen.

Marie Paulun
Schauspielerin, Schriftstellerin, Ehefrau Hans Ottos
Hans Otto war kein Mensch, den Erfolg verändern konnte. Er blieb der soziale und bescheidene Mensch...
von Marie Otto-Paulun überliefert:
Wir hatten da einen Schauspieler, das Schwein wollte nicht aussagen.
Einer der drei SA-Sturmführer, die Hans Otto 1933 vernahmen
Warum tut nur Herr Otto so was. Ein Künstler! Ein Mann von seiner Position! Er hat es doch gar nicht nötig!
Ein Beamter bei der Haussuchung nach seiner Verhaftung 1933

Teo Otto
Bühnenbildner, Zürich 1947
Er lehnte es ab, in die so beliebte deutsche Welt chimärenhafter Träume und Abstraktionen zu flüchten. Er lehnte es ab, mit obskuren Begriffen sein Gewissen zum Schweigen zu bringen. Er flüchtete nicht vor der erdrückenden Wirklichkeit mit der Devise „ich habe ja nur mit Kunst zu tun“, denn es wäre für ihn die Flucht vor der Liebe zum Mitmenschen und der Verantwortung für den Nachbarn gewesen.

Else Petersen
Schauspielerin, Hamburg 1961
Für mein ganz persönliches Gefühl hatte er eine merkwürdige, fast gläserne Art und, wenn man so sagen will, Heiterkeit. Ich empfand das auch bei ihm als Schauspieler, obgleich das natürlich auch wieder eine ganz subjektive Beurteilung ist. Als Partner, ich habe außer „Giovanni und Annabelle“ auch „Romeo und Julia“ mit ihm gespielt. Da erinnere ich mich an seine sehr kollegiale Art. Ich bekam damals als scheintote Julia einen fürchterlichen Hustenanfall, durfte mich ja nicht rühren, die Tränen liefen mir aus den Augen, ich dachte, ich müsste ersticken. Er kam an mein Lager, als er um mich als Tote klagte, sah meine Not, legte sich so vor mich, dass mich das Publikum nicht sah und nun durfte ich so husten. Alles war natürlich von ihm improvisiert. Nun musste er aber endlich wieder  aufstehen. Er flüsterte mir sehr energisch zu: "Nun musst du aber aufhören" und erhob sich wieder. ... Er war überlegt und sehr beherrscht. Aber man kam nicht so an ihn ran. Ich jedenfalls nicht. Sehr konzentriert auf den Proben, ein großartiger Sprecher, von einer unerhörten Disziplin. Als Partner eben von dieser großen Disziplin.

Kurt Pinthus
Theaterkritiker in der „Nationalzeitung“
... da ist der jugendliche Liebhaber, wie er jahrelang auf Berlins Bühnen fehlte. Noch ein bisschen ungehobelt; aber ein bis zwei Jahre in Berlin, durch Berlin geschliffen, wird er der Liebhaber Berlins sein, worauf ich Gift nehme - oder lieber nicht, damit ich es noch erlebe.

Walter Rauch
Bühnentechniker, Berlin 1963
Hans Otto habe ich am Staatstheater kennengelernt, wo ich als Bühnenmaschinist und Beleuchter beschäftigt war. Wiederholt bin ich ihm auch bei Sitzungen in der RGO begegnet. - Er war Vertrauensmann am Staatstheater und stand zu jeder Zeit jedem zur Verfügung. Niemals habe ich erlebt, dass er keine Zeit hatte oder irgendwie verhindert war. Immer war er für andere da, ganz gleich ob es eine Putzfrau oder ein Spitzenstar war, ob es sich um Tarifstreitigkeiten, wichtige politische Fragen oder auch nur um kleine Zwistigkeiten handelt. Er war nie ablehnend. Er tröstete einen, und man hatte die Gewissheit: Da ist jemand, der sich deiner Sache annimmt und der dir helfen wird. Bei Hans Otto ist die Angelegenheit in den richtigen Händen.

Paul Wagner
Schauspieler, 1969
Hans Otto gehörte mit zu den wertvollsten und zauberhaftesten Kollegen, die mir in meinem Leben begegnet sind. Äußerlich ein bildschöner Mann, war er sehr klug, fleißig und ein ungeheuer konzentrierter Arbeiter. In zahllosen Rollen erwies er immer wieder seine große schauspielerische Begabung.